In Deutschland nehmen die Behörden sich aktuell erneut organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe vor. Der aktuellste Einsatz am 28. Januar 2026 zeigt, wie groß das Problem ist:

Zoll und Polizei durchsuchten in sieben Bundesländern zeitgleich Wohn- und Geschäftsräume. Mehrere Beschuldigte wurden dabei festgenommen.

Die Ermittlungen richten sich gegen eine Gruppe von Firmen, die über ein Netzwerk versucht haben sollen, illegale Zahlungen, Schwarzarbeit und Steuer- sowie Sozialabgabenhinterziehung zu vertuschen.

Die Großrazzia im Überblick

Am 28.01.2026 starteten Behörden in Deutschland eine groß angelegte Razzia gegen organisierte Schwarzarbeit am Bau. Der Staatsanwaltschaft Frankfurt sowie dem Hauptzollamt Schweinfurt zufolge waren knapp 800 Einsatzkräfte beteiligt, die insgesamt 70 Gebäude durchsuchten.

Die Schwerpunkte lagen im Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Rheinland-Pfalz sowie im Saarland fanden Durchsuchungen statt.

Dabei wurden drei Verdächtige, Staatsangehörige aus Serbien zwischen 37 und 47 Jahren, vorläufig festgenommen. Es wird nun ermittelt, ob sie Teil eines Systems sind, das Schwarzarbeit gezielt organisiert und sich hohe Schwarzgelder verschafft hat.

Bei einem Tatverdächtigen wurden rund 500.000 € Bargeld gefunden. Die Ermittler gehen von einem Gesamtschaden in Höhe von rund 28 Millionen Euro durch hinterzogene Steuern und Sozialabgaben aus.

Das sagt die Politik

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, dass der Zoll durch Aktionen wie die Razzia Menschen vor Ausbeutung schütze und konsequent gegen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung vorgehe. Dabei gehe es nicht zuletzt um Gerechtigkeit im Wettbewerb und den Schutz aller Beschäftigten.

Warum Schwarzarbeit am Bau ein so großes Problem ist

Schwarzarbeit ist nicht ohne Grund illegal: Sie hat breite gesellschaftliche Auswirkungen.

Handwerkersoftware vom Profi
  • Sozialversicherungsbetrug: Arbeitnehmer werden häufig nicht oder nur teilweise angemeldet, was zu Lücken in der Renten- und Krankenversicherung führt.
  • Wettbewerbsverzerrung: Ehrliche Betriebe, die Steuern und Abgaben korrekt zahlen, stehen bedeutend im Nachteil, wenn Konkurrenzunternehmen sich durch Schwarzarbeit einen Preisvorteil verschaffen.
  • Gefährdung von Beschäftigung: Schwarzarbeit geht oft mit unsicheren Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung und fehlender Unfallversicherung einher.
  • Staatlicher Schaden: Allein in 2024 schätzte der Zoll den Schaden durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung auf mehrere hundert Millionen Euro.

Gerade im Baugewerbe ist Schwarzarbeit ein wiederkehrender Fokus der Ermittlungen, weil hier viele Subunternehmer, verflochtene Projekte und hohe Arbeitskosten illegale Modelle erleichtern.

Was bedeutet das für Handwerksbetriebe?

Für seriöse Handwerksbetriebe hat die aktuelle Großrazzia mehrere konkrete Implikationen.

1. Recht und Ordnung

Handwerksbetriebe sollten sich bewusst sein, dass Schwarzarbeit keine Bagatelle ist. Schon die Mitwirkung an illegaler Beschäftigung (etwa als Auftraggeber, der wissentlich „schwarz“ vergibt) kann rechtliche Konsequenzen wie Bußgelder oder Schadenersatzforderungen haben.

2. Sauberer Wettbewerb

Ehrliche Betriebe melden Mitarbeiter korrekt an, zahlen Steuern und Abgaben und haben fair kalkulierte Preise. Gerade wenn auf dem Markt Kosten gedrückt werden, weil Wettbewerber Schwarzarbeit nutzen, ist es wichtig, sich transparent und nachvollziehbar zu zeigen.

Das erreichen Handwerksbetriebe zum Beispiel durch ordnungsgemäßen Rechnungen, korrekte Lohnabrechnung und strukturierte Dokumentation mit einer Software für die Buchhaltung.

3. Sicherheit und Versicherungsfragen

Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter ordnungsgemäß anzumelden und sozialversichert zu beschäftigen. Schwarzarbeit gefährdet nicht nur die Beschäftigten, sondern birgt auch Haftungsrisiken für den Unternehmer.

Was tun bei Verdacht auf Schwarzarbeit?

Wenn du als Unternehmen oder Privatperson Hinweise auf Schwarzarbeit hast – etwa bei einem Subunternehmer oder Auftragnehmer – ist der richtige Weg, dies den Behörden zu melden. In Deutschland ist die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Zoll zuständig.

Hinweise kannst du anonym oder mit Kontakt an das jeweilige Hauptzollamt geben. Je konkreter deine Informationen sind, desto wirkungsvoller kann ermittelt werden.